Futtertiere von Reptilien

Der Schweizer Tierschutz STS hat im In- und Ausland das Schicksal von Mäusen, Ratten und anderer sogenannter «Futtertiere» recherchiert. Die Resultate der STS-Recherche sind bedenklich und ernüchternd: Tiere, die insbesondere verschiedenen Reptilienarten lebend oder tot zum Frass vorgeworfen werden, leben in den allermeisten Fällen ein kurzes Leben unter erbärmlichsten, tierschutzwidrigen Umständen und sterben einen oft qualvollen Tod.

Wieviele Reptilien in Schweizer Haushalten als Heimtiere leben, weiss man nicht. Kaum Beachtung - auch in Tierschutzkreisen - fand bisher das Schicksal der Futtertiere, obwohl in der Schweiz wohl täglich Hunderte Nager und Tausende Insekten an Reptilien verfüttert werden. Jährlich dürften es hunderttausende von Ratten und Mäusen sein, die als Reptilienfutter ihr Leben lassen. Ueber die Umstände der Zucht, des Transports, des Tötens oder der Lebendverfütterung ist wenig bekannt. Und was bekannt ist, wird gerne verdrängt. So mancher Anbieter und mancher Kunde interessiert sich kaum für die Herkunft der Futtertiere.

Gefrostete Nager
In früheren Jahren wurden auch hierzulande Kleinnager als Futtertiere gezüchtet. Mit den Vorschriften der seit 2008 geltenden Tierschutzverordnung, die immerhin ein gewisses Tierwohl garantiert, scheint sich die inländische Futtertierzucht nicht mehr zu lohnen. Die nachfragenden Tierhalter sind vielfach nicht bereit, für eine bessere Tierhaltung einen Mehrpreis zu bezahlen. Anstatt auch den Futtertieren Wert und Würde zuzugestehen, weichen Anbieter und Reptilienhalter aus Profitgründen auf ausländische Herkünfte - vor allem aus dem Osten - aus. Dort wird massenweise produziert und günstig verkauft und exportiert. Alleine der litauische Anbieter «Euro mice», nach eigenen Angaben der grösste Lieferant von Nagern in Europa, liefert monatlich (!) 800'000 Mäuse und 150'000 Ratten - gefroren - an Wiederverkäufer und Direktabnehmer weltweit.

Lebendverkauf und -fütterung
Auch die Mehrzahl in der Schweiz lebend verkaufter Futtertier-Nager werden im Ausland gezüchtet. Die Lebendfütterung, bei der Futtertiere je nach Tötungsverhalten der Reptilien langandauernde Todesängste ausstehen, ist hierzulande bis auf wenige Ausnahmen verboten. Verbreitet dürfte die Lebendfütterung illegalerweise dennoch sein. Werden lebend erworbene Futtertiere kurz vor der Verfütterung durch Privatpersonen getötet, verlangt das Gesetz Fachkenntnisse über tierschutzkonformes Töten. Es fehlen allerdings behördliche Vorgaben über den Umfang der geforderten Kenntnisse und folglich auch deren konsequente Ueberprüfung.

Wirtschaftliche Argumente nicht akzeptabel
Der Schweizer Tierschutz STS spricht sich nicht gegen die Haltung von Reptilien als Heimtiere aus, fordert aber von Reptilienhaltern, von Futtertierimporteuren und -anbietern und von Behörden, Futtertiere - auch Insekten - nicht nur als Nahrungsquelle für Reptilien zu sehen, sondern diese als eigenständiges Leben zu achten. Eigene Zuchten oder zumindest Schweizer Herkünfte sind zu bevorzugen. Eine artgemässe Tierhaltung ist sowohl beim Züchter als auch in der Verkaufsfiliale und beim Endverbraucher unerlässlich. Wirtschaftliche Argumente bezüglich der angeblich zu teuren Schweizer Futtertiere sind nicht akzeptabel.

Bild: Symbolbild / Photo symbolique; Bildquelle / Source: William Warby / flickr.com / cc-by

Webseite: www.tierschutz.com

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