Tierleid am Kapuzenrand

Pelzmode boomt, die Importzahlen steigen seit Jahren stetig an und Einkaufspreise für Pelze hangeln von Rekord zu Rekord. Weltweit ist der Umsatz innert 10 Jahren um 44 % gestiegen. Pelzmode ist ein Milliardengeschäft und 28 % der globalen Pelzprodukte finden in Europa Absatz.

In den Jahren nach 1980/90 traute man sich mit Pelz nicht mehr auf die Strasse. Das grauenvolle Tierleid in diesem Zusammenhang war durch Tierschutzkampagnen wie «Pelztragen ist Gewissensfrage» oder durch medienwirksame Farbbeutel-Attacken an Pelzträgerinnen bekannt. Pelz war in weiten Kreisen verpönt. Heute - so denkt man - sei alles besser, und man nimmt automatisch an, dass es solche Zustände heute gar nicht mehr gebe. „Das kann ja nicht sein, dass es den Tieren immer noch so schlecht geht“, ist die weit verbreitete Meinung von Herr und Frau Schweizer. Das Gegenteil ist der Fall: es ist noch schlimmer als je zuvor! Millionen von Tieren vegetieren in engen Käfigbatterien auf Drahtgitterböden vor sich hin, um ihnen anschliessend ihr Pelz auf grausame Art zu entnehmen. Nach den Erkenntnissen des Schweizer Tierschutzes ist es in China am schlimmsten. Dort kommen z.B. Marderhunde während der Enthäutung wieder zu Bewusstsein und wenn sie schon völlig nackt sind, ohne Pelz, leben sie noch rund 30 Sekunden. Die Tierschutzorganisation Peta hat 2005 einen grossen Katzen- und Hundepelz-Skandal ans Tageslicht gebracht. Traurige Fakten und Filme zur Pelzgewinnung von Hunde und Katzen aus China gibt’s auf www.pelzinfo.ch.

Dies alles geschieht nicht mehr nur für teure Pelzmäntel, sondern vor allem für billige Massenware wie Pelzaccessoires und Pelzbesätze. Viele Leute reagieren geschockt, wenn sie dies erfahren. Sie achten vermehrt auf ihre Umwelt, ernähren sich vegetarisch und lieben ihre Haustiere. Da passt es nicht, Pelz zu tragen, welcher von elend gehaltenen Tieren und unter Umständen sogar von Hunde- und Katzenfellen aus China stammt. Wer trägt denn schon sein Haustier am Hals?
Lösen kann dieser Missstand nur ein generelles Importverbot für tierquälerisch hergestellte Pelzprodukte. Die Tierpartei Schweiz (TPS) hat bis Ende Jahr eine Petition laufen. Sie fordert von Bundesrat und Parlament, ein Importverbot für Pelzprodukte zu erlassen, die von tierquälerisch gehaltenen, gefangenen oder getöteten Tieren stammen.

Hinschauen lohnt sich
Das sind die Unterscheidungsmerkmale: Synthetischen Pelz (Fake Fur) erkennt man, wenn man die Haare auseinanderstreift und das Strick-/Wirkgewebe erkennen kann, statt der feinen Lederhaut (evtl. mit Lupe). Echter Pelz besteht aus mehreren Schichten, die jeweils unterschiedliche Haarlängen haben. Bei Kunstpelz verwendet man meistens dieselbe Haarlänge. Der beste Beweis aber ist die Brennprobe (leider nicht in jedem Fall durchzuführen). Echter Pelz brennt wie Haar, riecht nach verbranntem Haar und vibriert beim Brennen. Kunstpelz riecht nach verbranntem Plastik und schmilzt, anstatt zu vibrieren. Die verbrannten Kunstpelzhaare formen kleine, feste Kugeln.

Wenn schon Pelz, dann bitte Kunstpelz
Echte Pelze gehören in die Steinzeit. Es gibt inzwischen modische und optisch attraktive Alternativen und verantwortungsvolle Designer und Modehäuser setzen erfreulicherweise in jüngster Zeit zunehmend auf Fake Fur. In der Schweiz besteht seit 1. März 13 zwar eine Pelzdeklarationspflicht, aber in dem Dschungel der Bezeichnungen und Fantasienamen kommen weder Verkaufspersonal noch Käufer zurecht. Und auch wenn sich der Konsument zwischen einem Pelz mit der Angabe «gejagt» oder «gezüchtet» entscheiden muss, macht dies keinen grossen Unterschied, denn die Tiere leiden bei beiden Gewinnungsarten. Das einzige was wirklich hilft, ist auf Echtpelz zu verzichten.

Webseite: www.tierbotschafter.ch

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