Volkszählung bei Schweizer Gartenvögeln

BirdLife Schweiz führte vergangenes Wochenende zum dritten Mal die «Stunde der Gartenvögel» durch und rief die Bevölkerung dazu auf, die Vögel im Garten zu zählen. Die ersten Meldungen sind bereits ausgewertet – es zeigt sich, dass in naturnah gestalteten Gärten am meisten Vögel vorkommen.

Vergangenes Wochenende, vom 6. bis 8. Mai, rief BirdLife Schweiz die Bevölkerung der Schweiz dazu auf, eine Stunde lang im Garten oder in einem öffentlichen Park alle Vögel zu bestimmen und zu zählen und die Beobachtungen zu melden. Die bisher 519 eingegangen Meldungen sind bereits ausgewertet. Es zeichnet sich klar ab, dass die Anzahl der beobachteten Arten stark von der Gartengestaltung abhängt: Je mehr naturnahe Elemente in einem Garten vorhanden sind, umso grösser ist die Vielfalt der Vogelarten. Einen deutlich positiven Einfluss haben beispielsweise einheimische Bäume und Sträucher im Garten.

Die Amsel ist der häufigste Gartenvogel

Nach den bisher eingegangenen Meldungen wurden 113 verschiedene Arten und insgesamt 19’071 Individuen beobachtet. Zahlreiche weitere Meldungen werden in den nächsten Tagen noch erwartet. Insbesondere in naturnah gestalteten Gärten kamen teilweise beachtliche Artenlisten mit über 30 Arten zusammen – der Vorjahresrekord von 36 Arten in einem Garten wurde mit 33 Arten (noch) nicht überboten. Dagegen konnten in Gärten mit wenigen naturnahen Elementen durchschnittlich nur 8,6 Arten beobachtet werden.

Am häufigsten beobachtet wurde die Amsel – sie kommt in 91% aller Gärten vor und konnte damit den Spitzenplatz halten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Kohlmeise und Haussperling. Geht man nach der Anzahl der beobachteten Individuen, so war der Haussperling mit 3147 gezählten Vögeln am häufigsten, gefolgt von Mauersegler (1513) und Amsel (1453). In einigen Gärten konnten auch seltenere Arten wie z. B. Goldammer, Sperber oder Wendehals entdeckt werden.

Der Vogel des Jahres zu Gast in bäumigen Gärten

Auch der Buntspecht, Vogel des Jahres 2016, kommt teilweise in Dörfern und Städten vor – er konnte in jedem 5. Garten beobachtet werden. Damit der Buntspecht in Siedlungen vorkommen kann, ist ein guter Baumbestand nötig. Doch nicht nur der Buntspecht profitiert von Gehölzen in Garten und Parks – viele weitere Vögel und auch andere Tiere sind darauf angewiesen: In Gärten mit einheimischen Büschen oder Bäumen wurden durchschnittlich über 12 Vogelarten beobachtet, in solchen ohne diese Elemente weniger als 10. Und auch der Mensch profitiert von Bäumen im Siedlungsraum: Sie haben einen ausgleichenden Effekt auf die Temperaturen, filtern Staub aus der Luft und produzieren Sauerstoff.

Baum ist übrigens nicht gleich Baum: Besonders wertvoll sind grosse, alte Bäume mit rauer Borke und vielen Höhlen. Wichtig ist auch die Wahl einheimischer Arten: Exotische Büsche und Bäume haben keinen positiven Einfluss auf die Anzahl der beobachteten Vogelarten gezeigt!

Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer haben somit die Möglichkeit, mit der Gartengestaltung einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt im Siedlungsraum zu leisten. Nicht nur Vögel fühlen sich in schönen Naturgärten wohl – auch zahlreiche andere Artengruppen profitieren davon. BirdLife Schweiz hat daher verschiedene Unterlagen produziert, wie natur- und vogelfreundliche Gärten angelegt werden können.

Die „Stunde der Gartenvögel“, eine „Citizen Science“-Aktion (partizipative Wissenschaft), wird seit 2014 jährlich durchgeführt.

Bild 1: Michael Gerber

Webseite: www.birdlife.ch

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